Diskontinuierliche Konstituenten 
I. Problemstellung ~. 
Fast alle.bekamnten V.erfahren der syn~aEtischen Beschrei-- 
bung ge.hen von dem Annie aus,-da~.,ein Satz:~ai~s. ein@r. :" 
endlichen.:Anz~l, ~vbn F~lementen~,b~s.teht ;' .da2 .:zwi£che:n~-:die- 
sen ~-.lemente_ n bestimmte ~~a:t:ionen bestehen u~d ~=~.die~ :~?' 
se • " Relationen irgendwie ~hierarchisch gest~ft~: si-nd:. 20 " ~ 
~.,~irde m.an..:~z.B, sagen; ~d~B-in- d.em~Gatz ,,,Er. schlug.: i~i~.. ::auf.. -~': 
den Kopf" die. Relation ,zwischen ,ihm,-und "den" hier~m-:~ :~ :- 
chisch anders'S~als die.Relation zwischen "den-" u~ ~'92e~of ". = 
Die letzte.-~e ~el.a%ion- be_%raohtezi ~.~ir "als: Hie~archiSdh ~ ' '- ~'"- 
hSher. Dieser-Hierarchie entsprechen~' E~nn:en'"di'6\[ Ele'i@'h -''~ " 
Man k amm.,~ e.t~;a .dig~'P~elation - ,als )~bh~ngigkeLten ~ deaten .,in~.-."=.- 
die Elemente im~.Sinne, eines. Tesni~reschen: ~±emmas a~ord-,~" -'~~. 
nen. Man : k ,a~u. -. ~lederu~ d:e~ Hierarchie ~m~8 '.- :~.!f4~ Zie a'. :" 
mente zu ~.K!.assen: zusammenfasSen,.".~ie~"Slc'H~-dhrau~e~e - ~ : ~: 
benden_Einheiten ~ erneut, zusammenfasSen "usw;~:~bi~s -~.i: $'iner ' ~ % 
letzten~,. Gbe,rgeordnet~n Elnkei%,-' eben ~ :~er .Ei~nhei~ '- "~atz!' ." 
zusammengefa~te~-; Einhe~%en.~k~n mim a-ls~K6n L '- ' ~:- Dle jeweils .............. ~ ...... 
stltuente~n,i def..s.ich, daraus '~e~e-ben-den':'JlnHel~ ~ ai~sehen. : ~ ~'" : 
Nach die.sem":Prinzip ,. oper!ert, unsere' 2rke~hUng~g~~tik:' ' : "~ 
e in em ~'" ~ '~ n Bei elner~maschinellen ErkennungSgramma~i\]--,-d~:.h, ............ 
Algorithmus ~-,der"automa%l S~h. b@-S~immt~n S~.e~ ; s'ynt'~ "-~'='J:: ' " 
tlsche Bes:chrelbu~gen zUordne~,, .......................... erzibt s'iCh ~us ' dem"ah---" ,.-::~-i .,' 
gedeuteten~Faktum das 2robl~ gem~ e~ner bestzmm ~en- 
,- . • .~'~ • • I~ - ~ ~' .~" ~. ,~ir~: " ~.~i', .. vorgegebenen...Deu~ ~der. hme~archisc~_en Verhal%nlss@. die 
Stufung der ~einZeln~ .Kel~%i6nen zu~.e~.~enne}i und ~ 8;ie ~i~-' : '~ 
mente demgem~8 -_ einander:.~.uzGordnen. ~ormAl~:'hu~ern ~" si~/'" ~: -" ' 
die Rela%i0nen =in bestimmt4~i ~ ac!-.barsehaftsbezlehu~gen' ~. :~ ~:~~ 
~=emente,. Prlnziplell s~tehen~jene ~I' • :: deren:he~tio~n ~-~'~ '~ " ":~ 
I) vgl. Tesni~re-"ordre .line,re" und,."er.dre structural" .; .:f 
Authors' address: Germanistisches Inatitut der Universit~t 
des Saarlandes 
66 SAARBR(~CKEN 
DEUTSCHLAND 
- 2 - 
hierarchisch die h~chs%en sind, am~chsten zusammen. 
Auf dlesem Prinzip kann eine ~rke~ungsgram~atik zu- 
n~chst einmal aufbauen. Doch wird dieses l~rlnzip h~ufig 
durchbrochen. So w~rde man sagen,ab~ dem Satz "Ich habe 
den Vater gesehen" die Elemente "habe"und "gesehen" 
einerseits und "den Vater" andererseits zusammenzufas-" 
sen sind. ~L~n spricht hier von~"dlskontlnulerlichen 
Konstltuenten" (DK). Hier kollidleren a~so"ordre struc- 
tural" und "ordre lln@are". Es~ist bekaunt, da~ dlese 
• Diskontlnult~t im Deutschen besonders h~ufig Ist (Prin- 
zip der Umklammerung) und gelegentllch extreme Formen 
annlmmt, z.B. im folgenden Satz "Ich babe, kaum war Ich 
andem yon einer gro~en Menge belagerten Unfallort an- 
gelangt, meinen Vater ineinem erregten Wortwechsel mit 
einem der vielen dort stehenden Polizisten verwickelt 
gesehen." FUr einen Parser, der beliebige deutsche S~t- 
ze analysieren soil, ist es daher aft extrem schwierig, 
zusammengeh~rige Elements zu erkennen. 
Dieses ~roblem kann in verschledener Weise angegangen 
werden. Zun~chst bietet sich eine transformationelle Be- 
handlung an. Die UnmSglichkeit, diskontlnuierliche Ken- 
stituenten im Rahmen elner Phrase-Struc±Ure-Grammar zu 
behandeln, war ja einer der HauptanstSSe zurEinf~d~rung 
der Transformationsregeln. ! Sieherlieh w~ren Transfor- 
mationsregeln die zugleich eleganteste und ad~quateste 
Art, das Problem zu behandeln. Lelder liegt his Jetzt - 
erst recht nleht 1963, als wit m it unserenArbei~en be- 
gannen, - keine Transformationsgrammati~ des Deutschen 
vor, die so welt entwlckelt w~re, dab sie fttr ein auto- 
matisches Erkennt~ugsverfahren programmiert werden 
I) Vgl. dazu insbesondere P. Postal, Constituent Struc- 
ture, Den Haag 1964, S. 67-70. 
- 3 - 
kennte 2). Wit haben es daher vorgezogen, eine here its 
vorllegende Art der grammatischen Beschrelbung ("Schul- 
grammatlk") mlt einer Reihe yon Modiflkationen so~eit 
zu formalisleren, dab sie einen funktionsf~3/gen Parser 
zu programmleren erlaubt, einen Parser, der auchli~- 
kontinulerllche Konstltuenten "bew~ltlgt". Das gan=e 
Verfahren wird ausfGhrllch in "Elektronlsche Syntaxana- 
lyse "3) beschrieben. Wit stellen bier nur einen kurmen 
Ausschnitt, eben die Behandlung der diskontinulerllchen 
Konstltuenten, dar. 
2) Einen allerdings sehr unvollst~ndigen ~berblick ~ber 
nlchttransformatlonelle Parser, die DK erfassen, glbt 
D.G. Bobrow in Abschnltt 7.2.5 seines Aufsatzes ,Syn- 
tactic Theories in Computer Implementations~inHarold 
Borko, Hrsg., Automated Language Processing, New York 
1967, S. 215-251, ebd. S. 238-241. Die belden bekann- 
testen Verfahren stammen yon V.H. Yngve (A Model and an 
Hypothesis for Language Structure, in Proo. Am. Philos. 
Soc. 104,5,1960, S. 444-466) und G.H. Harman (GeneratiTe 
Grammars without Transformational Rules: A Defense of 
Phrase Structure, in Language 39, 1963, S. 597-616. Bel- 
de sind Ausweltungen von Phrasenstrukturgrammatiken; 
Harman ersetzt die einfachen Kategorlensymbole der PSG 
dutch komplexe Symbole, in denenzus~tzlich Angaben ~ber 
die Verwendung der jeweillgen Kategorie im Satz gemacht 
werden. Yngve f'tthrt Regeln der Form A-) B...C elm, wobei 
dutch die Art, wie die Regel elngeftthrt wird, festge- 
legt Ist, was anstelle yon "..." stehen darf. Die ~in- 
ftthrung solcher Regeln ~ndert Jedoch nlchts an der 
schwachen generatlven~Kapazlt~t, wle @.H. Matthews in 
seinem Aufsatz 'Discontinuity and Asymmetry in Phrase 
Structttre Grammars', in Information and Control 6, 1963, 
S. 137-146 bewlesen hat. 
T.' 1965, in A.D. Booth, Hrsg., In seinem Aufsatz'MT at M.I. 
Machine Translation, Amsterdam1957, S. 451-523, be- 
schreibt Yngve S. 486-490 einen in O0MITgeschriebenen 
Parser yon Fabry, der, auf Yngve und Harman aufbauend, 
auch diskontlnulerliche Konstituenten einbezieht. 
Erw~hnt sei hler noch die yon E. Zierer entwlckelte Tech- 
nik, dlsk. Konst. darzustellen. Vgl. dazu seinen Aufsatz 
'Ein Modell zur Darstellung von diskontinuierlichen Kon- 
stituente~, in Beitr~ge zur Sprachkunde und Informations- 
verarbeitung, 4, 1964, S. 33-37. 
II. Problematik der @rkennung yon Diskontinuit~t bei der 
maschinellen Analyse. 
Wie schon e~t, stellt bereits ale Erkennung yon Dis- 
kontinuit~t eln schwierlges Problem dar. Es handelt sich 
hierbel um die vielfach auftretende syntaktische Mehr- 
deutigkelt isolierter dlskontinulerlicher Konstltuenten. 
So gibt es oftmals verschledene M6glichkeiten, Relatio- 
hen herzustellen. Als Beispiele seien genannt: 
Er ha__~t in dieser Situation zu schwei~en. 
Er ha__~t in dieser Situation z_u reden versaumt. 
Einmal kann "hat" mit einer Partlzlpialform, einmal mit 
einem infinitiv + zu verbunden werden. Sind be ide MSg- 
lichkeiten im Satz vorhanden, muB die Entscheldung je- 
weils durch Hierarchie-Regeln getroffen werden. Dies 
wird dutch das Prinzip erleichtert, dab zwar verschie- 
dene KombinationsmSgliehkeiten bestehen, da~ abet nlcht 
alle DK mit allen kombiniert weraen k~nnen. 
Als praktisch zu 18sende Aufgabe stellt slch das Problem 
der DK als Teilproblem einer gesamten maschlnellen syn- 
taktischen Analyse. Seine L~sung ist unumg~tnglich n~tig, 
wenn man nicht auf eine erhebliche Anzahl m~gllcher 
Satzkonstruktionen und damit auf die Behandlung eines 
wesentlichen Tell des SPrachsystems verzichten will. 
Deswegen halten wit es f~r angebraeht, das Problem der 
DK nicht so isoliert als vielmehr innerhalb einer syn- 
taktischen Satzanalyse zu betraehten. Aus diesem Grunde 
stellen wit der speziellen Beschreibun~ der DK-Analyse 
einen ~berblick ~iber das Saarbr~cker Verfahren voran. 
3) z. Zt. imlYruck: T~blmgem 1969; vgl. zum ~hema beeon- 
ders die Absehni~te 2.13, 6.3, 6.5, 6.6. 
- 5 - 
III. Das SaarbrQcker Ver£ahren 
Die maschinelle syntaktisohe Analyse, wie sle an Ss, a._--" 
- bracken entwickelt wurde, stellt eine Satzanalyse dar. 
Ziel der Analyse ist, mUglichst alle SatzstrUkturen der 
deutschen Gegenwartssprache zu erkennen und zu bezeich - 
nen. Es geht also datum, alle Elemente des Satzes sowle 
die den Satz konstitulerenden Relationen der einze~nen 
Elemente unterein~ander zu bestimmen. 
Dazu werden auf mehreren Ebenen Symbolfolgen zu Gruppen 
zusammengefa~t,'die wiederum ~bergeordnete Gruppen bil- 
den. Dies erfolg t so lar~ge, bis als oberste Einhelt der 
Satz erreicht ist. 
Als erste Reduktionsstufe gilt dabei die Zuordnungvon 
l'lortklassenl)zuden einzelnen Wortformen (Wortklassen- 
ebene). In der zwelten und dritten Reduktlonsstufe wer- 
den bestlmmte Wortklassen oder Wortklassenfolgen zu no- 
mlnalen, verbalen und adverbialen Gruppen zusammenge- 
faBt (Gruppenebene). Auf weiteren Reduktlonsstufen wer- 
den dlese Gruppen zu hUheren ~inhelten zusammengefaSt, 
~ewir'Analyseein~eiten' genannt haben. Es h andelt sich 
hierbel um eine Kette yon Gruppen der vorherigen Reduk- 
tionsstufe, die elnen Satz darstellen kUnnen, die abet 
genauso gut als Satz noch unvollst~ndig sein kUnnen, was 
mit der mUglichen Diskontinuit~t solcher Einheiten zusam- 
menh~ng%. Diese Analysesinheiten wiederumwerden zuel- 
hem Subsatz, etwa vollst~ndigerHauptsatz oder vollst~n- 
diger Nebensatz, zusammengefaSt (Subsatzebene). Die 
n~chsthUhere und letzte Ebene stellt dann die Satzebene 
dar. Bereits bei der Reduktion zu nomlnalen und verbalen 
Gruppen ergibt slch yon ein~ m~gllchen Diskontlnult~t 
I) Vgl. Erkl~rungen in '~lektronlsche Syntaxanalyse' 
• -- 6 -- 
dez Elemente her eine besondere Schwierigkeit, Wenn nur 
kontinuierliche Teilsequenzen als Gruppen zugelassen 
wlren, w~re eine Segmentierung des Satzes relativ ein- 
fach. Der Vergleich mit einigen Modellen kSnnte die Ein- 
teilung des Satzes in Gruppen und ihre sich anschlie~en- 
de Elassifizierung wesentlich erleiehtern. Dies kommt 
abet nicht in Frage, da wit bereits auf der Ebene der 
nomin~len und verbalen Gruppen mit Diskontinuit~t zu 
rechnen haben. Dies trifft ebenfalls fGr die Gbergeord- 
nete Subsatzebene zu. Man k~nnte umgekehrt sagen, daS 
gerade erst in der mGglichen Diskontinuit~t diese Ebene 
ihre BegrGndung hat. Sie ist als Vorstufe f~r die end- 
gdltige Satzbestimmung notwendig, da erst in einem wei- 
teren ReduktionsschrlttTestgestellt werden muB, eb tat- 
~chlich Diskontinuit~t verliegt. 
Lus diesen knappenAndeutungen l~Bt Slch bereits erken- 
hen, da~ fGr eine Segmentierung des Satzes in Einheiten 
undderen Reduktion zu Gbergeordneten Einheiten die Dis- 
~:on~!nult~ in besonderem MaSe Schwierigkeiten bietet, 
Loch muB betont werden, dab dieses Problem keineswegs 
dutch die ~ethode der Segmentierung und Klassifizierung 
entsteht, sondern man kann eher umgekehrt sagen, dab das 
Problem der Diskontinuit~t besonders gut dutch diese 
bier verwendete Methode erfaSt wird. Dies wird im fol- 
genden deutlich werden. 
iV. L~sung der Diskontinuit~t im Saarbrdcker Verfahren. 
?~ie bereits angedeutet, kommen DK - innerhalb einer Satz- 
ebene - sowohl auf der Gruppenebene als auch auf der 
Subsatzebene vet. Erinnern wir uns an unsere anfangs ge- 
nannten Beispiele, so stellen wir fest, dab auch deft 
diese Zweiteilung vorhanden war. Allerdings ist es nicht 
so, da~ Diskontinuit~t yon verbalen und nominalen Grup- 
L 
- 7 - 
pen nut auf der Gruppenebene auftaucht. Sie kommt eben- 
falls auf Subsatzebene vor. Als Unterscheidungsmerkmal 
dient die Tatsache, dab die zusammengehGrende~ Teile 
durch einen Satz bzw. durch eine selbst~ndige Einheit 
getrennt sind im Gegensatz zu den folgenden Beispielen 
(a) und (c), bei denen die unterbrechenden Elemente 
ebenfalls in enger Beziehung zu einem DK stehen. Glie- 
dern wir danach einige Beispiels~tze, soerhalten wir: 
I. Diskontinuit~t auf Gruppenebene 
(a) de__~r den Baum sehende M~u__~n 
(c) er hat seinen Freund ~esehen 
2. Diskontinuit~t auf Subsatzebene 
(b) di__~e, sagen wir, komplizierte Untersuchung I) 
(d) er hat, wi~ wit wissen, seinen Freund gesehen 
(e) die Untersuchun~, die se~ lange dauerte, ist be- 
endet 
Diese Unterscheidung besagt, dab sie ihrem Auftrete~ en~- 
sprechend auf einer frttheren oder sp~teren (Ubergeordne- 
ten) Reduktionsstufe bearbeitet werden. Das zugrundlle- 
gende Verf~hren ist dabei im wesentlichen dasselbe. Aus 
diesem Grunde ~ird zun~chst das fGr alle Typen geltende 
Prinzip dargestellt, imAnschlu~ daran einzelne Sonder- 
probleme. 
Generell geht es datum zu erkennen, ob und welche Ele- 
mente im Satz in disk0ntinuierlicher Anordnung eine Ein- 
heit bilden, d°ho in der Relation "Zusammengeh~rigkeit" 
stehen. Die in Frage kommenden Elemente mGssen also in 
besonderer Weise hervorgehoben werden. Es handelt sich 
demnach um eine gezielte Segmentation. Nur bestimmte 
Elemente werden bezeichnet, sie m~ssen bestimmte Bedin- 
gungen erfGllen. Hierbei werden die beiden Bestandteile 
I) bisher noch nicht praktlsch gel~st 
- 8 - 
einer diskontinuierlichen Gruppe getrennt, wobei jeder 
~eil als zun~chst eigenst~ndige sprachliche Einheit be- 
trachtet wird. Im folgenden wird die Berechtigung dazu 
deutlich werden. Die Bedingung dafGr, ob eine Symbolse- 
quenz einen DE darstellt, ist generell seine F~higkeit, 
in bestimmter Weise erg~nzungsf~hig zu sein. Im einzel ~ 
nen m~gen die bedingenden Faktoren je nach Beschaffen- 
heit des DK - ob es ein Element einer nominalen oder 
verbalen Gruppe ist oder eine Analyseeinheit - variieren. 
Zun~chst sind gewlsse ~ndestanforderungen an einen DK 
~estellt: 
I. Er mu~ aus einem o~er mehreren~ementen des Satzes be- 
stehen. 
2. Er mu~ eine bestimmte Wortklassensequenz aufweisen, 
deren Reihenfolge zum Teil festgelegt ist. 
3. Vom Inventar her mu~ eine Erg~nzungsm~glich~keit, sei 
es zu einer nominalen oder verbalen Gruppe oder zu 
einem Satz, bestehen, er mu~ also in bestimmter Wei- 
se unvollst~ndig sein. 
Zine besondere Schwierigkeit ergibt sich nun daraus, da~ 
die in Bedingung 3 gen~unte ~rg'~nzung fakultativ ist. 
Im konkreten Satz braucht sie nicht realisiert zu sein, 
allein die I~glichkeit muB berGcksichtigt werden. 
~ir k~nnen danach verschiedene F~lle unterscheiden: 
I. Er hat das Geld erhalten. 
2. Er hat das Geld. 
3. Er hat das Geld, das er erhalten hat, in der ~a- 
I sch___~e. 
~ei dem ersten Typ kann eine endg~ltige verbale Grup- 
pierung erst vorgenemmen werden, wenn die beiden D~ "hat" 
uu~ "erhalten" als solche und sich gegenseitig erg~uzend 
erkannt worden sind. 
- 9 - 
Bei dem zweiten ~yp fehlt ein entsprechender Partner, 
die Symbolsequenz "~r hat Geld" ist aber trotzdem eine 
selbst~ndige Einheit. Dies bedeutet, dab ein ~lement 
sowohl Tell einer diskontinulerlichen Gruppe als auch 
ein~ eigenst~ndige Gruppe sein kann. In diesen F~llen - 
die Erg~nzung ist fakultativ - haben wires mit Doten- 
tiell diskontinuierlichen Konstituenten zu tun. Diese 
bezeichnen wit im Gegensatz zu Konstituenten, die in je- 
dem Pall einer Erg~nzung bed~rfen, mit rDK, die anderen 
sind ~LDK (= aktualisierte DK). 
Der dritte Zeispielsatz zeigt Diskontinuitit auf Sub- 
satzebene. Die Symbolfolge "Er hat das Geld" - im zwei- 
ten Beispielsatz eine selbstindige Einheit - ist hier 
ein PDK. Formal zu erkennen ist dies am Grenzsymbol, 
t~orin sich beide Unterscheiden. Ebenfalls stellt "in 
d~r Tasche" ein PDK dar, wShrend die gleiche Symbol- 
folge in dem Satz "Er hat das Geld in der Tasche" kein 
DE, auch kein ~DX ist. 
~ir erhalten ein weiteres ~Zerkmal, wenn wir Beispiel 3 
vaxiieren: 
4. Er hat das Geld, das er in der Tasche aufbewahrt, 
eben erst erhalten. 
Der erste PDK ist gleich geblieben, die Erginzung weist 
eine andere syntaktische Struktur auf. Daran zeigt sich, 
daB ein PDK durch verschiedene Arten von DK erg~nzt ' 
werden kann. Andererseits lassen sich abet nicht alle 
Arten yon DK beliebig kombinieren. Es reicht also nicht 
aus festzustellen, ob im Satz eine Diskontinuitit vor- 
handen ist. Es muB auch bekannt sein, um welche Typen 
(Klassen) von DK es sich handelt. Jeder DE weist Re- 
striktionen in Bezug auf seine Kombinationsm6glichkei- 
ten auf. So kann z.B. ,hat" (finites Hilfsverb) er- 
- 10 - 
g~nzt werden durch folgende Wortklassen (auf der Gruppen- 
ebene haben wires mit Wortklassensequenzen zu tun): 
I. zu + Infinitiv 
2. Partizip 
3. andere unvollst~ndige Verbalgruppen 
Der Subsatz "Er hat das Geld" kann erg~nzt werden dureh: 
I. Konstruktion mit Infinitiv + zu 
2. ~6nst~u~htiou mit ~artizip 
3. Pr~positionales Gef~ge 
Betraehtet man diese Einheiten isoliert, sind sie in De- 
zug auf ihre Erg~nzungsm~glichkeiten syntaktisch mehr- 
deutig. Je nach der Erg~nzung ~ndert sich die synt~kti - 
sche Struktur. Dies bedeutet, dab die DE funktional 
mehrdeutig sind. Dieser Sachverhalt macht eine Klassifi- 
kation der DE m~ch ihren Erg~nzungsm~glichkeiten not- 
wendig. Dabei dient die Klassifikation zwei Zielen, ein- 
mal der Erkennung der DK, zum andern ihrer evtl. Zusam- 
menf~hrung. 
i~it Hilfe dieser Klassifizierung, die auf dem Inventar 
ba~iert, lassen sich Modelle aufstellen, mit denen die 
einzelnen ~ortklassensequenzen vergliehen werden. Die 
Ssgmentierung des Satzes richter sich nach diesen Model- 
!en. Die Anzah! der Vergleiche l~t ~!~h auf ein Mini- 
m~m bringen, wenn als weiteres Mer~unal die Grenzen der 
in Frage kommenden DK festgelegt sind. Auf~Gruppenebene 
sind dies bestimmte Wortklassenfolgen, auf Subsatzebene 
~ortklassenfolgen und Interpunktionszeichen. Auf diese 
f bin mu~ zun~chst der ganze Satz untersucht werden, bevor 
sich eine Klassifikation anschlieSt. Da die Grenzen ein 
nieht nut fGr DE ausschlie~liches Merkmal sind, kann es 
vorko~men, dab eine Segmentierung durchgefGhrt wird, die 
kein DE bezeichnet~ ~st der Vergleich mit den angesetz- 
te~ Modellen wird erkennen lassen, ob es sich um eln PDK 
- 11 - 
oder ADK handelt. Da, wie bereits erw~hnt, bei manchen 
Klassen eine Erginzung fak-ultativ ist, ergibt sich auch 
die I~glichkeit, da~ ls ut Definition eine als ~DK klas- 
sifizierte Sequenz im konkreten Satz kein D~ darstellt. 
Auf diese ~atsache be~eits bei der Klassifizierung ein- 
zugehen, erscheint z~veckmiSig. Zs gibt also eine Unter- 
klasse yon DX, die ebenfalls selbst~ndige, yon einer 
weiteren DK unabhingige Einheiten sein k~nnen und 
.solche, die yon ihrer Struktur he~in jedem Fall eines 
diskontinuierlich angeordneten Partners bed~rfen. 
Die Vergleiche werden auf den vexschiedenen Ebenen un- 
terschiedlich durchgeftthrt, zumal sich auch die Grenz- 
markierungen nach den Ebenen unterscheiden. 
Die Erfassun S der DE bei nominalen Gruppen auf Gruppen- 
eben___~e (Verkettung) setzt bereits eine Vorgrupplerung 
voraus. "Der das Haus sehende Hann" ist in vorangehen- 
den Reduktionsschritten bereits in drei Subgruppen un- 
terteilt worden: Der 
das IIaus 
sehende Mann. 
Da beiDiskontinuit~t yon nominalen Gruppen auch be- 
stimmte Elemente der nominalen Wortklassenl)als Grenze 
fungieren k~nnen, ist eine solche Vorgruppierunger- 
forderlich. Bei sonstigen Nominalgruppen stellt zumeist 
ein~lement einer nicht-nominalen Gruppe die Grenze dar. 
Anstelle eines Hodellsmit ~ortklassenfolgen tritt bei 
der verkettung eine Variation des PrinZips ein: die er- 
ste und dritte Subgruppe m~ssen im Kasus, Numerus und 
Genus Gbereinstimmen 2s. ~ 
~I Dazu gehSren u.a. Demonstrativwort und Substantiv 
Aufgrund der/Eomplexitit nominaler Gruppen reicht 
eine einfache lineare Reduktion bestimmter Wortklassen- 
~equenzen nicht aus. 
- 12 - 
Fttr die Erfassun6ven verbalenDK auf Gruppenebene wle 
auch f~r alle DK auf Subsatzebene wird als ~odell eime 
bestimmte Wertklassenfolge angesetzt; belde unterschei- 
den sieh nur in der Art der Grenzmarkierungen. 
I. Verbale DK auf Gruppenebene (Er hat das Geld erhal- 
ten). Als Inventar der ~K-Klassen fGrverbale DK sind 
alle Wort~lassen zugelassen, ~ die an der Bildung einer 
Verbalgruppe beteiligt werden kGnnen: Finites Verb, 
Infinltiv, Infinltiv + zu, Partizlp, Verbzusatz. 
• 2. DK auf Subsatzebene. 
Auch hierbei wird das Modell-Verfahrsnangewendet. 
Die'den Modellen zugrundellegenden Strukturen sind 
gegenGber den DK auf Gruppenebene weitaus kompllzier- 
ter. Inventar, Reihenfolge des Inventars und Grenm- 
markierungen gelten als Kriterien fttr dieK lasslfi- 
zierung. 
Xach der Erl~uterung der aligemeinen GrundzUge des Saar- 
b~lcker Verfahrens zur LSsung der DK sei nochandeutungs- 
~eise auf einzelne Probleme hlngewlesen (die an anderer 
Stelle ausft\[hrlich behandel% sindl)). 
a) Auger der hier zugrundegelegten einfachen Verschach- 
telung wird auch eine mehrfache berGeksichtigt: 
4 
x iund X5 sowie x 2 und x 4 geh~re n jeweils zusammen. Bei 
meDhr als zwei mSglichen DE im Satz mu8 dleses Prinzip 
bericksichtigt werden. Dies geschieht in der Weise, da~ 
zun~chst die inhere Klammer, damn die ~uBereElammerbe- 
stimmt wird, d.h. d~F zweite DK hat Vorrang in der Zu- 
erdnung des n~chsten DK. Hierbei tritt nattirlich auch 
die Schwierigkeit aGf, dab yon z.B. vier DK zwei jeweils 
eine selbst~ndlge Einheit bilden. Dabei g~be es theore- 
I) 'Elektronlsche Syz~y~nalyse',TGbingen 1969 
- 13 - • 
tlsch acht MGglichkeiten der Kombimation, sofern alle DK 
untereinander als Pmrtner zugelassen w~ren, was unwahr- 
scheinlich ist. Doch bietetdie Entscheidung zwischen 
zwei M~glichkeiten nach genGgend Schwierigkeiten. Ein 
weiteres Merkmal mu~ also noch hinzugefGgt wezden. Dies 
kann z.B. die Stellung oder die Art der Grenzen sein. 
Auch k~nnen sich bei der Klassifizierung Probleme zei- 
gem, vor ~llem was die Art der Klassen angeht. So er- 
scheimt es z.B. vom Verfahren her zweck~Eig , die Appo- 
sition auch als PDK zu kennzeichnem, da sie ihrer Struk- 
tur nach auch eim Tell eines vollst~ndigen Satzes sein 
kann. Dies hat nut zur Folge, dab die F~lle, die eine 
eindeutige Apposition darstellen, komplizierter werden 
als es fthr den konkreten Satz erforderlich ist. 
Ebemfalls problematisch ist der Fall, wenn ein unvoll- 
st~udiger Satz disk0ntlnuierlich an einen vollst~ndigen, 
f~rsich abgeschlossenen Satz angeschlossen wird. Es 
erhebt sich bier die Frage, inwieweit dies als eine Va- 
dante yon DKanzusehen ist. Dies trif~t zu in dem f01- 
genden Satz: 
Die Einder spielen im Garten, der sehr grog ist, und 
bauen dort ein H~uschen. 
Auf dlese Einzelheiten wollen wir hiernicht eingehen. 
Zum Abschlu~ sei dem geschilderten Verfahren eine andere, 
praktisDh erprob~te Me~ho~e gegenGbergestelit. Im Saar- 
br~ckerVerfahren liegtder Schwer~unkt auf den indivi- 
duellen DK, ihrer Erkennung und•ihren Kombinationen. Die 
einzelnen DK werden als selbst~ndige linguistische Ein- 
heiten behandelt. Anders verf~hrt die z.B. in den USA 
entwickelte Analyse des Russischen (GAT - Toma): Behan- 
delt werden bier nut DE auf Subsatzebene, • was yon der 
analysierten SPrache her zu erkl~ren ist. Hierbei liegt 
- 14 - 
abet der Schwerpunkt auf der durch ~ie elnzelnenl~zu- 
sammengefaBten~inheit. Als Grundlage ftir dle~rkennung 
gelten ebenfalls Modelle, die jeweils mit zwei zusam-~ 
mengeh~rigen DK ~erglichen werden. 
Diese ~Gsung erscheint wenig glGcklich, da einschr~nken- 
de Voraussetzungen gemacht werden. So ist z.B. nur elne 
Einheit zwischen den beiden DK erlaubt. Au~erdem steht 
die gesamte DK-Erfassung inAbh~ngigkeit ~on der, Sub -~ 
jekt- und Pr~dikatbestimmung. Es werden nut solche Bin- 
heitenals DK erkannt, die sich gegensei~ig imHinbllck 
auf Subjekt oder Pr~dlkat, gegebenenfall~noch auf ein 
ObJekt erg~uzen. ~er ~yp "Im Garten, der gro~ ist, ste- 
hen B~ume" w~rde nicht erfa~t werden. Eine Erwelterung 
der Medelle k~nnte hlerAbhilfe schaffen. 
Gegen~ber dem Saarbr~cker Verfahren erg~be slch damn 
abet immer noch der Nachteil, dab elne weltaus gr~Bere 
Anzahl~von Modellen notwendig w~re. Insofernerschelnt 
uns eine Segmentierung In die belden Bestam~teile elmer 
diskontinuierliehen Figur zweckm~iger, da so elne 
grG~ere Flexibillt~t errelcht~werden kanm. Der Geslehts- 
punkt der Zweclm~Sigkelt spricht dabel nlcht nut f~r 
die pragmatische Ausrlchtung des hier verwendeten Ver- 
fahrens,sondern ~berhaupt f~r die Forderung mash ~kono- 
mie eines jeden Systems. 
