Dr. Alfred Hoppe, Forschungsgruppe L~4AS, Bonn 
Die eemautische Syntax der Kommunikativen Grammatik auf 
EDV-ARla~en 
ZtueVeret~uduis der folgenden Darstelluugeu sei die Uater- 
scheiduug einer auBersprachlich orientierten Sema, tik yon 
eiaer innersprachlichen Semantik vorausgeschicktp ohne da~ 
der allge~eiue Problemkreis der Semaut~k er~rtert wird. 
AuBereprachlieh orieutierte Semautik 
$ubstituiert man in dem Satz: "Der J~ger fUttert den Hund" 
fur "den Heed" etwa "den Wolf, den Fuchs", so hat sich am 
Satz und der Struktur seiuer luhaitelemente nichts ge~n- 
dert, so wenig, ale h~tte man substituiert: "das Reh, den 
Hasee, den Vogel, den Fisch". Jedoch haben die Lebewesen 
untereiDauder eine Ordnuog; eiDe engere Verwaudtschaft be- 
steht zwischen Hund, Wolf, Fuchs, eine weitere zwischen 
dieaen und eeh, Hase ( = S~ugetiere), dar~ber hinaus eine 
mit Vogel, Fisch (Wirbeltiere). Diese Zusannneuh~nge sind 
Sachlieher Art. 
Wird aus dem genannten Verhalten des J~ers gefolgert: 
"Der J~q~er ist ein Tierfreund", so wird einmal wiederum 
ein saehlicher Zusa~aenhang aller genannten Lebewesen 
dureh dee Wort Tier bezeichnet, au~erdem abet durch das 
Wort Freund die epezielle Beziehuug des J~gers zu Tieren 
im allgemeinen. 
Alle geuanuten Beziehu~en beetehen auch dann zwischen 
J~q~er u~d Tier, wenn sie nicht beobachtet oder gar ausge- 
eproeheu werden, sie eind in dee VerhKltni8 der Dinge zu- 
einander gegeben und werden durch Sprache lediglich be- 
zeiehuet. Die Sprache bezeichnet au~ersprachliche Zusam- 
meuhtnge 
let Semant~k ein liuguistienher Begrif£, so rechtfertigt 
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er sich hier iusoferu, als sprachllche Spbole diese Ele- 
lente u~ dereu ZusamneuhAnge bozeichueu: uud sie somit in 
den Prozefl der sprachllchen Ko~un~katiou hluelnneh~en. 
Damit wird &u~ersprachliches n Iufomtionsgegenstand 
Jim Ko~wunikationspFozefl. Die Iufoxsatlon kaun ~ach ohue 
-die sprachliche Sy~bolkette "J~er, ~dttex~, ~and u ver- 
staudeu uud ko~uulsiert wex~eu, z.B. wenu der Sachverhalt 
beobachtet wix~. odor weuu oiu Partuor eineu andoreu etwa 
durch eiue ZeiKebeweguug auf /hn h£nweist, damit er selbst 
lhn auch beobachtet uud versteht. 
Werdeu die Sme der Elemeute des Bezelchneteu und die Zu- 
smenh~uKe uud Beziehuugeu seiuer E/mente zueiuauder un- 
abhKugig you der Sprache Keseheu, also uicht als WBezeich- 
neteset so ist die Lehre von ihueu uicht Semantik, auch 
dann nicht, weuu sich diese Lehre der Sprache bedient. 
Ihre Zusasmuenh~uge uud Beziehu~eu sind sachliche Zusam- 
meuh~uge und Beziehuugen uud auflersprachlicher Art. Das 
bleibeu sie auch dannj wenu sie ~leich als Bezeichnetes 
geseheu verdeu. Erst im Zusammenbau~ nit der Sprache wer- 
den sie zu GegeustKndeu der sachorientiertenS~emautik. 
wenn Semautik eio liuguistischer ~riff ist. In diesen 
Siuue besagt ~ach~emantik, dab AuBersprachliches uuter dem 
Aspekt sprachlicher Symbole als Bezeichnetes geseheu viz~. 
Inne rspraehliche Semantik 
Tn der auflersprachlichen Semautik fordert sacJ~em~3 die 
Tttigkeit uf~tterua, da~ der "Gegenstand R , voo dem die 
T~tigkeit ausKeht, eiu Lebewesen (Lbw) ist, ebeuso der 
"Gegeustand", auf den sie gerichtet ist ' (Verb-Valeuz- 
K/asse). Die Spx~ache kauu jedoch etwas auderes damit ma- 
then, z.B. "der Prograamierer fUttert die lqasr.hine mit 
Dateo m . Der "Gelenstaod', attf don die Inlit:i~koit gerichtot 
Ist o £st hier koin Leboweson. Saobsnnttscb Ist das Mort 
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"f~ttern" also "falsch" an Platz. Dennoch "let die Formulie- 
mng spra©hlich richttg uud sinnvoll, lndem dinner Satz 
ko~uniziert vird, vird dora ~ortluhalt nMaschlnen dutch 
den Wortluhalt n£Uttez~ ~ alleln dutch die sprachllche For- 
mulieruns der luhaltfaktor L~ belgemesnen, "indumlert", 
\]Nan nennt dan allse~eln "~bertrasun8 # der BedeutunS..AuBer- 
spnchli~h {ibt esdiese Beziehung nicht, sie gibt es our 
ie der Sprache, also innersprachlich. Es haudelt sich um 
sin ~eispiel innerspmchlicher Semantik. Dutch sie ~rd 
der lex~satische Iuhalt van wf/ittern" verindert. Wir spre- 
chert in diesem Fall van einem peripheren Inhalt. 
Die innersprachliche Semantik k@nn au~ersprachliche ~usam- 
meoh~e und Beziehungen variieren und modi£izieren uod 
neue bziehungen und spezifisch sprachliche Inhalte kon- 
stituieren uod herstellen, und zwar his zur auQer~prach- 
lichen "SinnlosiOett TM, ohne dab die Beziehungen inner- 
halb dos sprachlichen Fonmaliemngsprozesses "£alsch" 
werdeo: der Stein f~ittert dan Licht mit Problemen. 
Die sprachllchen Beziehuosen und luhalte stellen also sine 
Zusmu\]t~usstx~dstur darj die mit der Zussmmenhansstruktur 
de ~ersp~ehliohen GoSoDo~udo bl~elnst~nmen kaun, 
abet nicht m~B'. Sis verdon Steuex:anss£aktoren des nprach- 
lie3aen Formolienanssprnzesses 8ouaunt. 
Menu beide flbereinst4mmeu, ist man Keneist, die sprachli- 
she St~t~r ale rein foxlal~anzueehon, st~en sie uicht 
~kretn, sagt man, die sprachli©he Fozwn~iex~ang sei in- 
haltlich fals©h, stnnlos, Formulierung aber sei etwas For- 
males. Da aber etwas Fo~aales etwas lnhaltliches nicht 
sionlos machen kaoo, ~ dis spra©hliche Formulierung 
ebenfalls etwas I~haltli~hes haben, dan mtt dem inhalt- 
lich g~einten der auBersprachlicheo Semantik Ubereiustim- 
sou kano, aber ninht m~B. Dieses lnhaltliche der sprach- 
licheu Fonmal~erm~ ist d~e innersprachliche Sesant/k. 
S~e benteht aus den iubaltlicheu Steuerun{sfaktoren des 
8prachlichen Formalierun~sprosesses. Sie hat ~hre eigeue 
S t~akt~r, ~ S'ynt, ax uad JJare Gesetze. 
lm fol~mmdeu sell an Beispielen dargestellt werden, vie 
diese i~wex~sp~i~he nmntinche Syntax errant u~d mit 
der ~a~aine dargestellt w~rden kanD. 
Iunersprachliche semautische STetax 
Mir he.see den ~enstand, yon den ein Tun ausgesagt wird, 
~s©h~kenstl~er (Getr), dan, was er rut, Geschehen (Ge), 
des, worauf des Tun geriehtet ist, Geschehensziel (GeZ1). 
Z~is©hen diesee drei Iwdkaltfaktoren besteht eine sachse- 
mantis©he Bezie~m~, die dutch das Ge hergestellt wird: 
Getr ~ Ge A ~eZl. Diese Bezie~ ist eiu Inhaltkoeplex, 
der spra~hlieh in' vielen AaL~drncknformen erscheint und 
darm~ in die imnersprachliche nemaantisehe Syntax saint 
ihren Ele~eeten ~ieei~eno~men ist: der Hunde£Utterer; 
die ~mdef~tterun~ dutch dee J~er; der J~er ffittert den 
thmd; die F~tteru~g des Bkamdes dutch den J~er; der H~d 
wird vow dem J~er gefUttert; der J~er, der dee ~ba~d 
f~ttert; der l~mmd tder wow dem J~er gef~ttert wird; der 
den H~ud £Utter~de J~er; der yon dem J~er ge~tterte 
Ibzud. Die Sa~h~e~antik ist in allen Ausdrucksformen die- 
selbe. Die Variationen, Modifikationen, verschiedemarti- 
gee Ord~en de~selben sachsemantischen Beziehungen 
werden ~hareh !nnenpx-au~J~lieJae semantis~be S~tax iN For- 
maliem~npa~zeB her~estellt. Der saehsemawtisdae lnhalt- 
k~plex ~st e~radalieh ni©ht formul~erba~,oh~e da~ nr zu 
eiuem inmpn~.b~Lc~aew sema~tisch-sFataktlschew kplex 
vlrd, and a~Jat ~b~e dab eiwe dinner iwnerep~achli~hew 
sema~tLs~h-sy~taktiscJaen Varia~tew h~n~trLtt. 0hne dab 
die ~odifikato~ew h/n~treten~ ~st d~r e~,~JasemawtLn©h- 
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syntaktische Komplex nicht an eine formale syntaktische 
Figur gebunden. Bereits sachsemantisch mu~ uuterschieden 
werden zwischeo den Faktoren Getr, Ge und GeZ1 und den 
W~rtern J~er, f~ttern, Hund (oder anderen Substitutio- 
nen der Faktoren).Der Inhaltkomplex der Faktoren wird 
innersprachlich relevant und generell formulierbar. Es 
besteht Ubereinstimmung im auBer- und innersprachlichen 
Bereich. Der Faktorenkomplex ist daher in beiden Berei- 
chem vorhanden° Die innersprachliche semantische Syntax 
verh~It sich abbildhaft zu den auBersprachlichen Bezie- 
bunged t nicht hingegen die formale syntaktische Figur. 
Sie ist immer eine sprachliehe Modifikation desselben 
semantis~en Inhaltkomplexes. 
Damit ist der Inhalt~aktorenkomplex ein inoersprachliohes 
semantisnh-syntaktisches Modell, das in zahlreichen Va- 
riaoteD ers©heint und immer das Beziehungsverh~Itnis ab- 
bildet, das im au~ersprachlichen Berelch ~esehen wird. 
Nimmt man fur die 5ubstitutionsglleder der Faktoren Getr 
und GeZl W~rter in der Form yon Nomeu an und benennt den 
In~alt eines genuinen Nomens (llaus, Problem, Vater, Ehre) 
mlt "GrUSe" (Gr) (vgl. H. Glinz), f~r Ge als $tubstitu- 
tiomevort ein Verb t so IMSt sich ~ das Verb "fUttern" 
die folgende Fo~mel sehreiben: 
((GriLbw)Getr) AGe I A ((Gr2Lbw)GeZI) 
Gr I = J~ger, Gr 2 = Hund, Ge 1 = fUttern. 
In Worten= GrUBe 1 ale Lebewesen fungiereud ale Gesche- 
benstr~ger fbr das Geschehen 1 m das gerichtet iet auf 
Gr~e 2 als Lebewesen und Ziel des Geschehens. 
Mit dieser semantiseh-syntaktisehen Regel kann man s~mt- 
lithe W6rter der Sprache maschinell zusa~mentragen, die 
diese Bedingungen erf~llen~ und wend sie im Lexikon ent- 
spreche~ gekennzeichnet slnd. Lbw w~re somit eine Inhalt- 
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klasse, die in dem gegebenen Modell eine sinnvolle Funktion 
hat. Da hier das Nomen hiusichtlich seiner inhaltlichen 
Funktion in der semantischen Syntax klassifiziert ist, wird 
die Klasse Nomen-Inhalt-Funktions-Klasse (NIFK1) genannt. 
Die in die Formel substituierbaren Verben mUssen im Lexikon 
das Kennzeichen fur die gleiche Valenz haben, wobei die Va- 
lenzglieder wiederum als Lbw bestimmt sein milssen (Verb- 
Valenz-Klassen). 
Die Kombination: Programmierer, fUttern, Maschine wird je- 
doch nicht hergestellt, da Maschine nieht die NIFK1 Lbw 
hat. Bei der maschinellen Textverarbeitung ist eine solche 
Synthese ~ auch nicht erforderlich~ wohl aber fur die Ana- 
lyse. Hier erkennt die Masehine die "Regelwidrigkeit" des 
Gebrauchs yon "\[Uttern" bzw. "Masehine", und wird dann so 
gesteuert, dab sie den Gebraueh yon "£Uttern" als "Uber- 
tragen" kennzeichnet. Es ist damit eine Information ermit- 
telt m die bei der Aufsuche z.B. des Ubersetzungswortes bs- 
rUcksichtigt werden kann oder mu~. 
*Anmerkun~ 
Eine umfassende "generative Grammatik" wird fur die Analyse 
gegebener Texte und die MaschinenUbereetzung aus gegebenen 
Texten nicht entwickelt. Die innerepraehliohe semantische 
Syntax erlaubt bei der Synthese nur die systemrichtige Zu- 
ordnung der WSrter nach Klassen, nicht aber nach sachre- 
levanten Gesichtspunkten. Diese Sachgesichtspunkte sind 
im gegebenen Text enthalten, die Klassen im Lexikon, Ana- 
lyse und Synthese werden operational vollzogen. In der 
Analyse wird jedoeh eine den Klassen nicht entsprechende 
Zuordnung yon W~rtern im Text erkannt. 
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Das Mort "fUttern" hat durch die Kombinatlon mit einer 
anderen als der zuerst geforderten NIFKI elnen anderen 
lexenmJtis©hen Inhalt. Die NIFKI ist somit einmal £Ur die 
iuuersprachliche und einmal fur die auQersprachliche saeh- 
orientierte semantische Syntax relevant. Der lexematische 
Inhalt eines Wortes wird durch die innersprachliche seman- 
tische Syntax verHndert. Daraus ist abzuleiten, dab der 
Mortinhalt zun~chst in zweierlei Hinsieht zu sehen ist; 
einmal insofern er isoliert yon anderen Inhalten etwas 
Au~erspraehliches bezeiehnet m in dieser Hinsicht wird er 
lexematischer Inhalt (lex I) genannt; einmal insofern er 
einer Wort-IFK1 ( =WIFK1) angehSrt. Beide semantisehen Ka- 
tegorien treten innerhalb des Wortes und vor allem im Satz 
und Text miteinander in bestimmte syntaktische Beziehungen. 
Die NXFKI'n zweier WSrter k~nnen z.B. im Kompositum unmit- 
telbar miteinander in eine Beziehung treten. Z.B. Vereins-, 
BehSrden-, Partei-, Kloster-angeh~riger, -bruder, -mit- 
glied. Die NIFK1 der ersten Wortgruppe lautet Person-KSr- 
perschaft (PK), die der zweiten Person (P). Vet Inhalt des 
Kompositums lautet: AngehSrigkeit. Lautet hingegen im Kom- 
positum die NIFK1 des zweiten Bestandteils Konkretum (Kkr), 
wie z.B. -haus, -tisch, -wald, -auto, so lautet der Inhalt 
des Kompositums ZugehSrigkeit. Wird der Komplex granmmatisch 
entfaltet zu einem Relativsatz, so wird der Faktor An~eh~- 
rigkeit (/~gh) im einen Fall verbalisiert mit "angehSren", 
im anderen mlt "geh~ren": der Bruder, der dem Verein, der 
BehSrde, der Partei, dem Kloster angeh~rt; das Haus, das 
dem Verein, der BehSrde, der Partei, dem Kloster gehSrt. 
Lautet die NXFKI dee ersten Bestandteils Zeit (Zt), was 
fur alle Nomina zutrifft, die von Verben abgeleitet sind 
oder Verbalst~mme enthalten, wie Mandex~ng m Gang, Rast, 
Park, Esse~ oder Flucht, Spiel, Arbelt und der zweite Be- 
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staudteil Oft (0), wie z.B. Haus, Zimmer, Platz, Weg, Ball, 
Tisch, so lautet der Inhalt der Kospositumphrase: 0rt, an 
den das im BestJ~mungswert genanute geschieht bzw. Konkre- 
rum, das f~r ein Geschehen da ist (Zweck): ~anderweg, Geh- 
weg, Rast-, Park-, E~-, Flucht-, Spiel-. Arbeit(s)-platz, 
-weg, -haus, -zJ~mer, oder F~-, Arbeits-, Spiel-tisch, 
Spiel-ball usw. Welche Glieder der einen Klasse mit wel- 
chen der anderen sinnvoll fungieren, ist wiederum eine Fra- 
ge der sachorieetierteu Semantik. FUr eiue Generierung sol- 
cher Zusammeuh~nge m~issen, wenn uur "sinnvollen zustande- 
kommen sollen, sachsemantische Regeln beigegeben werden. 
Die Analyse der (in einem Text) vorgegebenen Komposita wird 
jedoch ~mner richtig. 
Der aualysierte Zusammenhang-Faktor eines Kompositums 
(Zweck) erlaubt au~erdem die gra~uatische Eutfaltung in 
eine Pr~positionalphrase oder einen Relativsatz, wenn der 
Faktor Inhalt eiuer Pr~positioualphrase bzw. eines Relativ- 
satzes sein kann: der Weg zum Vandern, Gehen; der Platz, 
der Weg, das Haus, das Zimmer zum Rasteu, Parken, Essen, 
Spielen, Arbeiten bzw. /~Jr die Flucht. der Platz, Weg, das 
Haus, Z~mner, an/auf/in dem das Rasten/Parken/Essen/Spie- 
len/Arbeiten geschieht, oder: der/das zum ~sten/Parken/ 
Essen/Spielen/Arbeiten da ist. Damit wird die Ubersetzung 
der deutschen Eomposita in Spraehen m~glich, die den ln- 
haltkomplex pr~positional oder mittels Relativsatz aus- 
drUcken m~issen. Wir nennen die m6glichen Ausdrucksformen 
£Ur einen lnhaltfaktor oder einen geschlessenen Inhalt- 
Faktoren-Komplex egrammatisches Feld u dieses Faktors bzw. 
Komplexes (vgl. S.~, Ausdrucksformen f~r Gotr a Ge A GeZI!) 
Entspreche~des gilt fur die inhaltliche Analyse der nomi- 
nalen Pr~position~hrase, was Schwieri~keiten macht, wenn 
~ise Pr~position m~'~--~ Inhalte in der Pr~positionalphrase 
- 9 - 
ermSglicht. Je nach der NIFKI des folgenden Nomens uud den 
m~glichen Inhalten einer Pr~position hat die Pr~positional- 
phrase einen bestimmbaren Inhalt. Solche Arbeiten sind bei 
der Forschungsgruppe LIMAS f~r das Deutsche yon Klaus G. 
Schweisthal f~r ~ber 250 Pr~positionen abgeschlossen (und 
werden im Systemauszug z. Zt. f~r die VerSffentlichuug 
vorbereitet), f~r das Englische stehen sie vor dem Ab- 
schluB. Sic erlauben eine eindeutige inhaltMquivalente ma- 
schinelle Ubersetzung aller nominaler Pr~positionalphrasen 
vom Englischen ins Deutsche und vom Deutschen ins En~lisnhe s 
einschlie~lich der~enigen F~lle, in denen nine Transforma- 
tion nine Paraphrase zustande briogen mu~. 
Die semantische Syntax besteht jedoch nicht our aus den 
WIFKI'n, den lex I'n, den Verbvalenzklassen t und den 
Zush'n und Beziehungen dieser Faktoren zueinander. Es wit- 
ken noch andere Klassen yon Faktoren mit, yon denen ~etzt 
nut die "grau~matischen Inhalte" (grI) erw~hnt seien. 
Zu einem lexl undder WIFKI eines Wortes treten die Grl 
hinzu° 0b z.B. das Wort "Tisch" einen Begriff bezeichnet 
oder einen bestimunten konkreten Tisch, ist vom Wort allein 
her niCht zu entscheiden. Es bleibt also zu fragen~ welcher 
yon beiden Inhalten der Wortinhalt ist. 
Das vSllig isolierte, unflektierte Wort "Tisch", wiees 
z.B. im Lexikon steht, bezeichoet niemals einen besti~mnten 
Tisch, sondern den Be~riff, der allen Gegenst~ndeo selner 
Art beigelegt warden kanu. Das ist der lexI'. Wird mit die- 
sem Wort jedoch ein weiterer Inhalt verk~Upft, so ver~ndert 
slch der Inhalt. In Arbeitstiseh und E~tlsch w!rd t win ohen 
~ezeigt, eln Inhaltfaktor gebildet, der (Verwendungs-)Zweck 
genannt warden kann. Damlt hat in dleser Verbindung der 
lexI' yon Tiseh schon nine Kookretisierung erfahren. Pew- 
binder slch mlt Tiseh eln demonstrativer Hiuwels (dam Hw) 
- 10- 
(dieser Tisch), so kann nur noch ein bestimmter konkreter 
Tisch gemeint sein. Dam gilt auch f~r den besti~mten H~n- 
weis (bSw) (dsr Tisch), abet mit EinsehrHnkung. In Verbin- 
dung mit der Pr~posit±on "vor" bedeutet "vor diesem Tisch", 
"Vor dem Tiseh" nut Ort. Ohne den H~nweis (oHw) jedoch 
kommt eine andere Zushg-Funkt~on zustande, die "ZeSt" be- 
deutet: "vor Tisch(e) las man's anders!" (Sch~ller). In der 
FQ~ung: "Vor Tischen und StQhlen hat man keinen Platz zum 
Tanzen" erlaubt die Kollekt~v~erung durch den Plural ohne 
H~nweis hier den Phrasen Inhalt Grund ( = "wegen der Ti- 
sche"), der bei "vor" sonst nur in Verbindun~ mit Affek- 
t~va e~tsteht: "vor Angst", "vor Lust", "vor Schmerz", bei 
denen im allgemeinen ebenfalls der Hinweis fehlt. 
Man sieht, da~ dutch Spezifizierung (Spez), Kollektivie- 
rung (Col), Generalisierung (Gen) etc. Inhalte, die durch 
"0em Hw", "b Hw","o Hw", "Sg1", "Plr" erzeugt werden, n~¢ht 
uur der lexI des £olgenden Wortes modifiziert wird, sonderu 
auch zugleich best~te prHpositionale Phraseginhalte. 
Dieses selbe kleine Zushg'-system zwischen Hinweis, Zahl, 
uod NIFK1 bewirkt au~erdem eine Ver~nderung des Zeit-Inhal- 
tes eines Satzes, wenn dessen Verbform PrHsens ist: wenn es 
hei0t: Kohlen lagern auf \]i alden, so ist das ei~e zeitlich 
allgemeingbltige Aussage; heist es hingegen: diese Kohlen 
lagern auf der ersten Halde, so ist damit Gegenwart bzw. 
AktualitHt ausgesagt. 
Hier haudelt es sich nicht mehr um Einze±elemeute, sondern 
um mehrere semantische-syntaktische Ein~elsysteme, die mit- 
einander in Beziehung treten, und damit best~mmte Inhalte 
festlegen. 
Das Hinweissystem, yon d~ hier die Rede war, verhilt sich 
a~ders als die MIFK1. ~ es die Form der Nomina ver~nder~ 
- 11 - 
z~hlen wit es zu den gralmatis©hen I~halten, zu de~ea auch 
die Gruppe Getr, GeZ1 usw. sowie die Gruppe Gr, M, Ge ge- 
h~ren. 
Wenw der Inhaltkomplex in einer Formel geschrieben wird, 
so lautet diese fur "diese Kohlen lagern au£ jener Halde": 
(((demHt~rl)spez)Getr) A ((GelAbx)(GgVAtu) V (((demHwGr 2) 
hingegen 1~ir: "Kohlen lagern auf Halden": 
(((oHwGr\])Oeo)Getr) A ((GelAbl)ailE) ^ (((HwGr2)gen) 
(Ort,Lage)). 
Die inneren Klammern geben die I. Zusam~enhanggruppe zwl- 
schen graummatischem Inhalt und Gr~ge an, die weitere Grup- 
pe die Inhaltfunktion dieses Zusammenhangs, die dritte 
Umklammerung die semantlsch-syntaktische Funktlon in Rela- 
tion.zum £olgenden Geschehen; das Symbol ^ bedeutet, dab 
ein neues Wort folgt in Zusammenhang mit dem vorigen, das 
Symbol V = die in seinem Klammerbereich stehenden Faktoren 
stellen eine Mehrdeutigkeit dar, Die jeweils ~u~ersten 
Klammern umfassen die gesamtm lnhalt- und Funktionsinfor- 
mationen, die f~r den Formulierungsprozefl er£orderXich 
sind. Durch die Verbvalenzklassen, die £~r das substltu- 
ierte Verb geltens und mit diesem dem Lexikon entoommen 
werden t u~d yon den Inhaltfaktoren in der Formel werden 
die NIFK1bestlmmt, nach denen die SubstitutionswSrter 
im LexlkoD aufgesucht werden. 
- 12 - 
Die funktionale Struktur der semantischen Syntax 
Alle aufgewiesenen sprachlichen Zusammenhangsysteme haben 
ein bestimmbares Gef~e ihres Zusammenhanges. Es ist auf 
bestimmte Fur~tionsmodelle aufgebaut. 
Es ~nJrde ~ezei~t, dab ein Wort neben dem lexematischen 
Inhalt, der etwas AuBersprachliches bezeichnet, einer 
oder mehreren linguistisch relevanten Inhaltklassen an- 
~eh~rt° Da diese Inhaltklassen eine Funktion im ProzeB 
der sprachlich~n Formulierun~ haben, wurden sie Inhalt- 
Funktions-Klassen (IFK1) genannt. Unsere Frame ist, wie 
diese Funktion beschaffen iSto 
Wenn wir yon der Bezeichnungstheorie de Saussures aus- 
~ehen und Bezeichnendes A und Bezeichnetes B unter- 
scheiden und zu~leich den Zusammenhang zwlschen beiden 
Bezeichnungnennen, dann besteht eine eineinwerti~e 
Funktion der Bezeichnung, wenn das Bezeichnende nut auf 
ei_._nn Bezeichnetes zu~eordnet ist und dieses Beziehungs- 
verh~Itnis nioht durch etwas anderes ~est~rt werden 
kann: A-~ B. Das ist bei den lexematischen Inhalten der 
Fall, wenn eine Lautform nur einen Inhalt bezeichnet, 
"Tisch". Das ~ilt auch dann yon A, wenn B umgekehrt in 
verschiedenen Lautformen erscheinen kann, sei es in 
derselben Sprache, wenn ein Ding zwei Namen hat, und 
yon Sprache zu Sprache: "Tisch"-~ "tabula". Wire diese 
lineare Funktion generell vorhanden, k~nnte es z.B. 
eine Wort-um Wort-Uberse~zuni geben. 
i 
Von B hinge~en m~Bte man ~n diesem Fall yon einer mehr- 
einwerti~en Funktion sprechen: Be~riff Tisch (=B)-a~ 
"Tisch"(=A1) und-~P "tabula"(=A2)~. Da das sehr h~ufig 
so ist (Homonyme),kann z.B. das Programm einer Wort- 
um Wort-bbersetzun~ nicht umgekehrt werden (Einbahn- 
dbersetzun~). Der umkehrbare Fall w~re A4m~B. 
-13- 
Da die Funktion in der Sprache auBer ihrem rein formalen 
Charakter zugleich etwas bestimmtes Inhaltliches hat, 
kann sie fol~enderma~en dargestellt werden: 
wenn das Inhaltlic~aus einem Inhaltelement besteht = 
einwertige Funktion: A----~ 
Die Funktion yon A lautet B. In diesem Sinne wurde oben 
yon einer Inhalt-Funktion ~esprochen. Erscheint dieselbe 
Wortinhultfunktion (WIF) bei sehr vielen WSrtern so kann 
man diese W~rter nach dieser IF klassifizieren. Wit 
spreehen yon WIF Kl~ssen (WIFKI). Z.B.:"oberhalb"(=A), 
(IFKl:0rt)~ Funktion-~p Oft (=B), der StraBe (:C), 
(IFKl=Ort). "Oberhalb" = 1.Funktionstr~er (Ftr), "der 
StraSe" = 2.Funktionstriger (Ftr). "0berhalb" hat als 
erster Funktionstri\[~er die einwerti~e Funktion Oft. D.ho 
der zweite Funktionstriger kann nut die IFKI OFt haben. 
Bleibt diese IFKI dieselbe, unabh~ngig davon, was der 
zweite Ftr seinerseits fdr eine IFKI hat, d.h. gilt 
diese IFKI f~r mehr als eine IFKI des 2. Fir's, so 
lie~t eine mehreinwerti~e Funktion vor: 
der Wanderu~ 
w~hrend (=A)(IFKiZeit),Funl, tion~ Zeit(=B) ~CI)(IFKIZei%) 
es Schnees 
(:C2)(IFKlOrt) 
mehreinwertige Funktion: 1.Fir = A B..~yC 2.Ftr B~D 2.Ftr 
Entspricht die IFKI des 2.Funktionstri~ers nicht der 
einwerti~en des 1.Funktionstr~ers, so "induziert" der 
eFste den zweiten mit seinem "Wert" = seinem Inhalt: 
"w~hrend des S ehnees" wird daher verstenden wie:"wihrend 
des Schneefalls" (Pall = Zeit). Ein zeitlioher Vorgang 
wird in Schnee "induziert". Wir nennen diese Form der 
"Induktion" semantische "0berlaEerun~" (es bleibe da- 
hin~estellt, ob man hier auoh yon einer Ellipsierun~ des 
- 14 - 
Wortes WFall" reden kann) einer IFK1 ~ber eine andere 
IFKI. Diese grscheintun~ gibt es auch zwischen anderen 
in Funktionszus~e~ stehenden Gliedern. Z.B. kann 
ein Nomen seine IFK1 einer~hrdeutigen Pr~position in- 
duzieren° 
Hat ein ~ort als 1.Funktionstr~er hi~egen mehrere 
verschiedene IFKI'n wie z°Bo die Pr~position 
ZeitfNachzeitigkeit so sprechen wir yon einer / 
vor~Ort~ (Vorderheit) mehrwertigen Inhaltfu~ktion 
~ oder mehreren IFKIn dieses 
~ Reihun~ Wortes. 
Hat der 2.Funktionstr~fier nur eine dieser IFK~n, z.B. 
~anderung (Zt), so wird die entsprechende des 1.Ftr's 
"aktualisiert" (w~hrend der Wanderung = Gleichzeitigkeit). 
Hat er indessen deren mehrere: Post =(Ort v Person KSr- 
perschaft) so wird diejenige aktualisiert, die mit einer 
der IFKIn des 1.Funktionstr~gers fibereinstimmt:nvor der 
Post" = Ort. 
Weitere Differenzierungen:siehe K.G°Schweisthal,Pr~positio- 
nen in der maschinellen Sprachbearbeitung (Diss. in Vor- 
bereitttng). 
Die Induktion kann also u.a. zu einer Gemeinschafts- 
funktion, zu einer Uberlagerung und zu einer A~tuali- 
sierung ~ihren. Hierffir lassen sich £este, maschinen- 
praktikable Regeln bilden. 
Im Falle unserer Komposita handelt es ~ich Um ein viertes 
Funktio~modell: 
tritt eine bestimmte Nomen-IFK1 (NIFKI) eines Besti~mags- 
wortes mit einer bestin~nten NIFKI eines Kernwortes zu- 
samr~n,ergibt sieha~s derFunktion beider mtteinander 
ein dritter Inhalt. Z.B.: Rast ~ NIFK1 Zeit (=A) (das 
- 15- 
verbale Inhaltelement dieses Nomens bezeichnet ein Ge- 
schehen und somit einen zeitlichen Vorgang, vgi. Fluchtt 
Lauf, Gang...!), Haus = NIFK1 0rt (=B)o Rasthaus bedeutet 
Zweck (=C) des HauseSo 
C ~ir nennen diesen Zusammenhang mittelbare 
A ~-~---~ B Funktion D da erst auf der Zusammenhang- 
funktion yon A und B miteinander ein neues 
Inhaltelement auf~ebaut wird. Diese Art des funktlonalen 
Zusammenhangs ist in der Sprache bei weitem der h~ufigste, 
besonders in der Syntax. Die verschiedenen Funktionen 
k~nnen sich miteinander verbinden: mittelbare mehrwertige 
Funktion: 
C D E 
Alle diese Funktionen: die einwertige, die mehreinwertige, 
die mehrwertige und die mittelbare haben in der Sprache t 
wie ~esagt, neben ihrem rein formalen Charakter einen 
Inhaltp den man benennen kannoDie Inhalte dieser Funktlonen 
sind Elemente~ die als Informationen im Kommunikations- 
proze~ dienen. Da sle innerspraehliche E1emente sind~ 
z~hlen wir sie zur innerspraehlichen Semantik. Da sie 
in einem sprachlich determinierten~ funktlonalen Zu- 
sammenhanggef~ge stehen D stellen sie eine Syntax darj 
die wit semantische Syntax nennen. Da sie auch eindeutig 
die sprachlichen Formen und tie formale Syntax bestimmen ~ 
und eine vollstandige Beschrelbung der Sprache erm6g- 
lichen~ stellen sie die Bausteine einer inhaltlichen, 
innersprachlich semantisch.en Grammatlk dar. Da sie 
Elemente sind, die im Untersci~ied zu den meisten Deskrip- 
toren der formalen Grammatik Informationen im Kommu- 
nikationsproze~ sindm nennen wir die mit ihnen darge- 
was im Folgenden noch nachzuweisen ist 
- 16- 
stellte Grammatik "Kommunikative Grammatik" (KG). Sie 
ist dae inhaltliche sprachliche Wegenetz, auf dem wir 
im KommunikationsprozeB zwischen Partnern hin- und her- 
fahren. Sie ist selbst noch keine Kommunikation, sondern 
das erforderliche Instrumentarium vorgegebener Kommu- 
nikationsmittel. Die KG besteht aus Funktionen ihrer 
Inhaltfaktoren zueinander, wobei die Funktionen selbst 
Inhalte sind. Daher ist die KG eine funktionale Grammatik. 
Wenn man Funktion mathematisch definiert ale die Abh~ngig- 
keit zweier GrSDen voneinander, und zwar derart, dab 
jeweils zu jedem Wert der einen GrSDe ein oder mehr 
Werte der anderen Gr~e geh~ren, so k~nnen die als ein- 
wertig,meh~einwertig, mehrwertig dargestellten inner- 
sprachlichen Funktionen Yon dieser Definition erfaBt 
werden, nicht jedoch die mittelbaren Funktionen. Sie 
erfordern eine Modifikation obiEer Definition in fol- 
gender Weise: Eine Funktion ist die Beziehung zweier 
Gr~Den aufeinander, und zwar derart, dad zu einem be- 
stimmten Weft der einen und zu einem bestimmten Wert 
der anderen in Abh~ngigkeit beider voneinander ein 
drifter Wert gehSrt. 
~as in der Definition "GreBe" heii3t, ist bei uns das 
"Wort", was "Wert" heist, ist die "Inhaltklasse", 
"Beziehung in Abh~ngigkelt" ist "Funktion"° Die beiden 
GrSBen, die in abh~n~iger Beziehung stehen, sind die 
"Funktionstr~ger". 
Eine mittelbare sprachllche Funktion let ein Inhalt- 
faktor, der aus zwel Inhaltfaktoren oder IFKLn resultlert, 
die ale bestimmte Inhaltfaktoren zweier WSrter in Ab- 
h~nEigkeit zueinander stehen. Die mittelbare Funktion 
kann ihrerselts als Inhaltfaktor wieder mi% anderen in 
- 17 - 
jede ~rt der genannten Funktionen treten. 
Sie ist als sprachlicher Inhalt eine Information im 
Kommunikationsproze~. Ihr Inhaltfaktor ist durch einen 
innerlin~uistischen Proze~t sben durch die mlttelbare 
Funktion, ermittelt. Er steht daher nicht in einem li- 
nearen Zusammenhan~, wie er zwischen einem Bezei chnenden 
als Lautform und dam Bezeichneten ~edacht wird, sondern 
in einem funktionalen-faktorenintegrierenden. Dam/t ist 
er sin Inhaltfaktor der innersprachlichen Semantik, der 
kommoniziert werden kann, ohne dab ibm elne ei~ene Lau- 
tuu~zu~eordnet w~re. Diese abet kann ihm bei der gramma- 
tischen Entfalt~,ng im ~inne einer syntaktischen Trans- 
formation in eine andere Ausdrucksform zu~eordnet warden° 
uann erst tritt er in einen linearen Zeichenzusammen- 
haRK ein° Das ist auch oft bel der ~bersetzung in sine 
andere Sprache erforderlich. 
Entsprechendes hat Koschmieder "Leerlauffunktlon"(S.1~) # 
genannt, die neben der Haupt- und Nebenfunktion der 
~rammatischen Kate~orien besteht, da wir weni~er 
grammatische Kate~orien haben als Kate~orien des Gemein- 
ten. ~ir setzen sine ~rammatische Kategorie in dlesen 
Leerlauf ein und geben ihr eine Funktion, die die 
~ram~natische Kategorie als Grundform tar nicht hat. 
Funktionen sind f~r ~oschmleder Inhalte, die einer 
~rammatischen Kate~orie zukommen bzw. zukommen kSnneno 
Nir haben gezeigt, da~ diese Inhalte dar~ber hinaus 
ohne eine spezielle Zaordnun~ zu einer bestimmten 
~rammatischen Kate~orie (Ausdrucksform) als Informa- 
Erwin Koschmiederm Beitr~ge zur allgemelnen Syntax, 
Carl ~inter, Heidelberg 1965t doff: Zur Bestimmung 
der Funktionen ~rammatischer Kate~orien (Abhand- 
luD~en der Bayer. Akademie d. Wiss. phil. hist, 
Aht. N.F. 25,1945) 3.9-69 
- 18- 
tionen kommuniziert werden kSnnen° 
Diese innerspraehliche Funktion der KG schlieflt den 
Funktionsbegriff nicht aus, den W. Schmidt* folgender- 
maven definiert:"Unter Funktion verstehen wir die vom 
Sender bei der Kommunikation intendierte und in der Mehr- 
zahl der F~lle auch erzielte Wirkung der Sprache auf 
dem Empf~nger. Funktion ist also grunds~tzlich sprach- 
extern. TM \])as ist nahe bei dem Weisgerberschen Gedanken 
yon Leistung und Wirkung der Sprache als der wesent- 
lichen Gegenst~nde der Sprachwissenschaft. Abet diese 
sprachexterne Funktion der Wirkung beruht notwendig 
darauf, da~ die Informationen und Informationskomplexe 
als die Elemente, die sprachlich kommuniziert werden, 
mittels der Sprache aufgebaut werdeno Und das geschieht 
nicht nur durch lineare Zuordnung im Sinne einer Zeichen- 
theovie. W. Schmidt f~hrt fortl"Der (sprachexterne) 
kon~munikative Effekt kommt auf Grund des Faktums zustande, 
da~ die sprachlichen Zeichen Bedeutungen haben;o.o das 
Vorhandensein yon Bedeutungen "im sprachlichen Zeichen 
ist die Voraussetzung f~r das Zust~ndekommen des kommu- 
nikativen Effekts"~(ebenda S.148)° Wie die Bedeutun~en 
m±t Hilfe der Zeichen innerhalb des sprachlichen For- 
mulierungsprozesses zustandekommen, erkl~ren die inner- 
sprachlichen Funktionen. Die KG isf als funktionales 
Netzwerk yon Informationen das Instrument der sprach- 
lichen Kommunikation~ es wlrd in sine auSersprachliche 
i Funktiongebraeht, wenn es zu au~ersprachlichen Kommu- 
nikationsmweeken benutzt wird. 
Beispiel eines Algorithmus einer mittelbaren mehrwertigen 
Ftmmktion 
Die ~ol~ende Tabelle Eibt ein Beispiel fur die mittel- 
~Zur Theorie der funi~tionalen Grammatik" in: Ztschr. 
f.Phonetik, Sprwiss. u. Komm.Forsch,, Bd22,H 2,1969, 
Akademie Verlag, Berlin, S01~8 
- 19 - 
M-Geber 
1.Vgltr 
1.Glglgtr 
Zghtr 
NIFK1 
Person 
~chwester 
Bruder 
Mutter 
Mann 
Kind 
IFreund 
Gast 
~-semantisch-syntaktische Relation -*~ 
der Funktionstr~iger 
Grammar is che Inhalt e 
Merkmal-Ver- Gleich- Zugeh~rigkeit 
~leich(M-V~l) geltun~ (Zeh) 
des nol ~Iglt~) nol sty 
-lich wie als 
Ad,iekt PrilpYh Apposit 
unselbstindige Setzung 
ihr 
der ihre 
sein 
des seine 
GenAt tI PossPron 
akl ~ Relation 
der/wie...ist, der/ derdem... 
die/dem., vet- die/alSdie zugehSrt "glei 
• .. 
das/der..chbar daS~ilt~asder''" 
ist 
selbst$indige Setzung akl 
der/... ~er/...I der/... 
die/...i~t wi, iie~÷~ die/... ~'h~rt 
d~/... ~/~ das/.., z~''" 
Neminale F~gung, Kompositum 
systematiseh nicht mSglich, auger 
Verwandtschaftshezeich~ungen und 
Sonderf~gungen (Gastfreund,Mannweib) 
Mtr 
2,Vgltr 
ZghGgst 
NIFKI 
Persen 
Frau 
Feind 
Vater 
Ounge 
M~dehen 
Welb 
Sohn 
Knecht 
KSnig 
bare Funktion. Dabei wird dieselbe IFKI zweimal durch 
jeweils ein "err (bzw. eine Wortgru~pe) in Abh~ngigkelt 
zueinander ~ebracht, und zwar die NIFKI Person. Dabel 
treten als resultierende Inhalte Mehrdeutigkeiten auf, 
nimlich Merkmal-Vergleich (MVgl), GleichEeltung (Glgltg) 
und Zugeh~ri~keit (Zgh). Es handelt sich daher um eine 
mittelbare mehrwerti~e Funktiono 
Die Mehrwertigkeit erlaubt keine eindeutige Formullerung. 
- 20 - 
Wird NVgl jedoch'nicht designierend gedacht t sondern als 
nominaler 1. Vergleichstr~ger, wird also der Kerninhalt- 
komplex anders modifiziert~ so ist eine andere &usdrucks- 
form eindeutig f~stgelegt: Frau vie elne Sehwester. Dureh 
d£ese Koppelung mlt verschiedeaen Modlfikatoren werden 
i 
einmal verschiedene Ausdrueksformen des Kerninhaltes 
MVgl bestimt (Adj, Pr~pPhr) und einmal die anderen 
Kerninhalte der Mehrdeutigkeit der mittelbaren Funktion 
ausgeschlossen. 
Indem man die in der Kernfunktion P (MVgl) P w£rkenden 
Faktoren in einer Inhalt-~aktoren-Formel aufschreibt: 
1.) ((NIFKI P des-~ ) 1.Ftr}A(NIFK1 P 2.Ftr)-~ (P(MVgl)P), 
2.) ((P 1.Vgltr)(MYgl}A(P 2.Vgltr)---p (P(MVgl)P) 
(in Worten: N/FK1 Person designierend als 1. Funktions- 
tr~ger und NIFILE Person ale 2. Funktionstx~g~r bedeu- 
tet Person als Merkmal-Vergleich fur Person; oder: Person 
als I. Vergleichstr~ger ale ~erkmal-Vergleich und Person 
als 2. Vergleich~tr~ger bedeutet Personals Merkmal-Ver- 
gleich fiir Person.) und indem diese Formel die Ausdrucks- 
form eindeuttg besttn~t, dient sie sowohl fur die Syn- 
these ale auch f~r die Analyse is sprachlichen Kommu- 
nikationsproze~ genauso wie in der Rechenmaschine. 
Ihr Zusammenhang mit der Ausdrucksfom ist daher um- 
kehrbar, reversibel. Folglich ist diese Art der ~schrei- 
bu~g der semantiechen Synt~xmaschinenoparabel f~r die 
Hin- und Herfibersetzmag. 
Die in die Tabelle mitaufgenommenen Inhalte Gleic~geltun~ 
(Glgltg) und Zgh etellen sich is selben Sinne ale mittel- 
bare Funktionmit oder ~hne hinzutretende Modifikatoren 
dar. &ueh die "unselbst~ndige Setzung akttonal (akl) 
in Relation tund die "selbet~ndige Setzung aki N eind 
ale steuernde inhnltliche Faktoren d~s Formulierungs- 
prozesses anzusehen. Sie tmd die Faktoren des-ZF , nol, 
- 21 - 
Sty unterscheiden sich yon den Faktoren M, Vgl, Glgltg, 
Zgh durch ihren besonderen, festen Zusammenha~g mit 
Strukturen der Ausdrueksformen (Satzpl~ne,Phrasen6truk- 
turen), sie werden insgesamt "grammatische Xnhalte" ge- 
nannt, und da sie verschiedene Zusammenhangfunktionen 
haben, in Gruppen eingeteilt. Die Gruppen der £ormbe- 
zogenen Faktoren bestinznen in Gemeinscha£tsf~nkti0n 
mit den formfreien Kerninhaltfaktoren die ~usdrucks- 
form; e~ne mittelbare Funktion zweier inhaltlicher 
Steuerungsfaktoren, aus der hier nicht wiederum ein 
Inhalt, sondern eine bestimmte Form resultiert. Die 
Tabelle zeigt nicht, dab zwei NIFK1 inAbh~ngigkeit 
voneinandcr bestimmte Fox~nulierungen ausschlie~eno So 
ist bier z.B. das kompositum meist nicht m6glich, weil 
im Feld der Inhalte, die es repr~sentieren kann, die- 
- jenigen Inhalte nicht vorkommen, die die mittelbare 
Funktion der betre£fenden NIFK~n forderno Hierauf ins- 
besondere einzugehen, ~berstiege jedoch den Umfang dieser 
Darstellung. Es erbringt im Hinblick auf die Funktiona- 
litfit der kommunizierbaren inhaltlichen Steuerungsfak- 
toren im sprachlichen Formulierungsprozefl nichts Neues, 
auger da~ dadurch die sprachliche Determination und Se- 
lektion siehtbar gemacht werden kann. 
Enthfilt eine Personbezeichnung mehr Iohaltelemente als 
das eine-P, wie oben angedeutet, so ergeben sich aus 
dem Zus~umne~lang mit einer anderen Personbezeichnung 
andere ale die oben dargestellten Inhaltfaktoren aus 
der mittelb~ren Funktion. 
M6rder ffi ((PGetr)Ge)AP bedeutet, da der Geschehenskern 
ein GeZl fordmrt (transitiv). dab die in Gemeinschafts- 
ghmktion mit ibm stehende Person die Rolle des GeZl's 
~bernimmto Bruderm~rder, MSrder des Bruders, sein M6rder, 
mine Pmrson mordmt mine Pmrson, wobei wimderum weitere 
- 22 - 
Modifikatoren, die die jeweil/~e Auedrucksfont bestiun, 
zu des eawdttelton Inhalt~ahtor GoZI zu einer neuen mittsl- 
baren Fu~a~Ion hinzutreten. Entepl~chend ve14~Iten slch 
LiebhabeF, 1~Ittere~, Sc~urelber etc. Die VeFb~en~,Itlasse 
fungiert h4er also en~epreehmnd e~er J~. 
Die Sp1~J~e ~ ~u~ ne~ um~reir2hel~n, ges~assene, no- 
minale I~d3altkon~leuKe aL~F, die ~tepre~h~d vle1£K1tiger, 
aber each d~ gleicJ~en 5~tMn, entfaltet wrden k6nnen: 
Arbeiter = n~sc.~die ~beitet; Aukerer = msc.P~die 
einen Auker beau~beitet; PfiZer = msc.P~die einen A~er 
sit sines Pflug bea~beitet; Pfl~erAn = fen. P., die 
einen Acker sit sines Pfl~ E bearbeitet; bearbeiten = 
Yalenzgruppe: 1. Leerstelle Getr P, 2. Leerstelle GeZ1 
P v ~(~ = N~cht Person), 3- Leorsteile (.icht gefordert) 
Mittel. Die Substitutianen s~md van saehsemantischen 
Zus ammenh~ngen bestimt. 
Hat das Nomen eine erkennbaz~ Pill-Form un6 ist der Go- 
Kern wie bet den voripn transitiv, so ist die Person, 
dis in dot J~'haltfarmel diesee Wartes erscheint, alas 
P~one dos ~-Z.~ (~m~ = ((P ~n-) ~).~ G.~Jtr 
und POOeP~ etnd Get~: d~ G~liabte dot Sc~westar; 
Person 1st yon dot S~Aaweeter seliabt. 
Entsprechend ~ilt f~ UDiene~re, daft die P ~m GenAttr die 
ZuwendBl~fle yon dienmn let. ~Od~L~Ch des Zsh-Vez~dL1tnle 
bier und such tm Pae~Px~a be~et iet. "Schl~fer" e~- 
laubt auBer der Glei~J~elt~ sit e4ner,Pers~ kn:~y',e 
dieser semantisehen l~un~ene was am itr. ~ter des 
Ge-Kerns liegt o 
Bieraus wir~ ersichtlich, daft die spx~achlich erlaubten 
~emantisch-syntakti~chen F~i~un~en van den IFK/n, den 
Verbvalenzklassen, den enaittelten Kerni~kalten u~d den 
Modifikatoren abl~ sind. Die Inhaltfakto~-en sind 
- 23 - 
diejenigen Informationen, die im Xommu~kationeproze~ 
Qbermittelt werden. Daher sind sie F~toren der KG. Sie 
werden aus der funktionalen, Faktoren integrierenden 
eemantischen Syntax, und gerade euch da, wo~,eie nicht 
expressie verbis ausgedrUckt werden, verstanden. Dutch 
die gx~mmatische Entfaltung, z.B. in S~tze, k~nnen eie 
verbalisiert (Ugewortet s) werden. 
Ikamit abet des vollst~ndiEe grammatische Feld einee Fak- 
tors f~r die Maschine ver~gbar wird, mQssen sie sowohl 
analysiert als auch synthetisiert werden k~nneno Dutch 
den &ustausch der Modifikatoren gelangt man auch mit der 
Maschine yon einer Ausdrucksform fur einen Kerninhalt 
zu einer anderen, wobei die Maschine denselben Algo- 
rithmus benutzt wie f~r die An&lyse und Synthese. 
Daher ist bei der Ubersetzung die Maschine, indem sie 
|o die Kerni~alte der semantischen Syntax, 
2. dielexematischen Inhalte unter Ber~cksichtigung ihrer 
Bedeutun~s~bertra~un~, 
3o die peFipheren Inhalte, die dureh die semantische 
F~Eung. ~ustande kon~nen, beachtet, zu~leich abet in 
der Verwendung bestinnnter Modifikatoren frei ist, in 
der Lage, eine inhaltaequivalente und yon d~r foFmalen 
Syntax unabh~ngige Ubersetzung zu leisten. Bei der 
Stichwortanalyse und der HerstellunE von Textkurzfass- 
ungen ist sie in der Lage, auch die Relationen der yon 
ihr mit !iP~uistischen Verfahren ermittelten Stich ~ 
w~rter mitzuspeichern und aufgrund der den Stichw~rtern 
mitgegebenen Faktoren der semantisehen Syntax jode in 
freier sprachlicher Formuliex~ang gestelite Frage an den 
Spei~her sinngem~d~ zu beantworten, nachdem sie den Text 
der Frage demeelben Analyeeverfah~en unterworfen hat, 
wie den befragten Text und deseen geepeicherte Infor- 
Im%im~no 
- 24 - 
Diese ist erst m~glich, wenn Hodffikatoren zu den kern- 
arti~en Inhaltkomplexen dermittelbaren Funktion hinzu- 
treten:Kerninhaltkomplexe sind: P (MVgl) P, P (Glgltg) P 
P (zgn) e. 
Die NIFK1 Person (P) bedeutet, d~ das Wort bei 
gleiehem leXemtischen Inhalt nicht zt~leich eine 
weftere, andere NIFK1 hat, die semantisch-syntaktisch 
mit P zu einem Inhaltkomplex verbunden ist, vie z.B, 
diejenigen Personbezeic~ungen, die einen Geschehens- 
kern enth~lten. (N6rder ~ P ale Getr des genannten 
Ge). Hierzu siehe unten! 
Be±m ersten Ker~daaltkomplex £ungiert der Xnhalt eines 
Wortes der NIFK1 Person ale ein M ~r den lex Xnh eines 
anderen ~ortes der NIFKX Person, z.B. Schvester fiir F~au. 
Ist jedoch der erste Funktionstr~ger (= ~ Person = 
Schwester) so gemeint, da~ er den 2. Funktionstr~ger 
designiert (des--~), d.h. ale dessen abh~ngiges Kenn- 
zeichen gefa0t, und zugleichmit ibm in den Vergleich 
(Vgl) gestellt, so ist damit eine Nodifikation des 
Kerni~ualtko~plexee gegeben. Dadurch ist die adjektivische 
Fom~ierung des 1. Fmaktionstrigers festgelegt: Nschve- 
sterliche FrauU. Der 1° Funktiommt~erwird damit 
1. Vergleichstx~ger, der 2. Funktionstr~ger wird 2. Ver- 
gleichstr~ger, das tertium komparationie ist ein peri- 
pherer lnhalt won mSchwester w, nicht abet de~ lexe- 
matische Inhalt, der besagen wUx~e~ yon den gleichen 
Eltern stammendes anderes weibliches K~d. Dieser 
lexematische Inhalt ist d~lrch den Vergleich gerade aus- 
geschlossen, nSchwesterlich e meint als peripheren Wort- 
inhalt die Art des VerhaltenB einer Schwester zu einer 
Schwester oder einem Bruder, und designiert damit den 
±nhalt Frau mit einem MVgl. 
